Tuesday, December 9, 2008

Unser Leben als Apple Thinner in Hastings





Wir entschieden uns dafuer, nach Hastings zu fahren, da man dort zu 99% Arbeit findet. Schon unterwegs buchten wir die Betten im Rotten Apple, einem vom Lonely Planet empfohlenen Hostel. Die Atmosphaere gefiel uns von Anfang an. Der einzige Haken daran war, dass wir in getrennten Schlafraeumen naechtigen mussten (Franzi in einem 10er Dorm, Eva in einem 4er Zimmer; Mitbewohner ausschliesslich maennlich). Gluecklicherweise wurde am Sonntag ein Doppelzimmer frei, in das wir umziehen konnten. Seitdem hausen wir wieder in unseren eigenen 4 Waenden. Am selben Tag erhielten wir die freudige Nachricht, dass wir ab Montag als Apple Thinner arbeiten koennen.Um 7 sollten wir uns (Martin aka Wurst, Philipp und wir beide) mit Gubi auf einem Supermarktparkplatz treffen. Der Supervisor kam allerdings viel zu spaet, seine Begruendung war sein hangover (Kater). Zusammen fuhren wir zur Apfelplantage. Sofort ging es mit dem Aepfelpfluecken los. Unsere Aufgabe besteht darin, schlechte bzw zu kleine Aepfel auszusortieren. Dabei muessen wir mit einer Leiter auf bis zu 6Meter hohen Baeumen herumkraxeln. Unser normaler Arbeitstag beginnt um 7Uhr und endet um 16Uhr. Die Arbeitswoche dauert 6Tage. Wenn es mal ausnahmsweise sehr gut laeuft, verdienen wir 6Euro (ohne Steuerabzug!). Solche Tage sind aber sehr selten, durchschnittlich liegt der Stundenlohn bei 4,50Euro. Hinzu kommt, dass es an manchen Tagen bis zu 32,5Grad im Schatten hat, da schuetzt sich sogar Eva mit Lichtschutzfaktor 30+. Das liegt wohl daran, dass ihr Fuss beim ersten Strandbesuch, am Ocean Beach, mehr als nur einen gewoehnlichen Sonnenbrand erlitt. Dieser schwoll noch am ersten Arbeitstag so dick an, dass fuer Eva am folgenden Tag Bettruhe angesagt war.

Obwohl Eva am Mittwoch wieder voll einsatzbereit war, warteten natuerlich wieder neue Probleme auf uns. Als wir zur Arbeit fuhren, stieg die Temperaturnadel sehr rasch und aus der Motorhaube qualmte es. Unsere schlauen Jungs inkl Gubi prophezeiten uns sofort einen Motorschaden mit bis zu 2000Dollar (ca. 1000Euro) Reparaturkosten. Diese Summe liess uns an diesem Tag besonders hart arbeiten. Da uns alle Angst machten, unser Auto sei nun Schrott, suchten wir eine Werkstatt auf. Um ueberhaupt dorthin zu gelangen, riefen wir mal wieder Doro und Darren an, die uns netterweise ueber das Telefon bestimmte Handgriffe erklaerten. Da es in unserer Geldboerse eher lau aussieht, mussten wir auf einen alten Trick zurueckgreifen. Trotz Regen packten wir unsere Miniroecke aus und stolzierten in die Werkstatt. Es stellte sich heraus, dass es nur an einem Loch in einem Schlauch lag. Schnell war der Schaden behoben und dank Minirock entfielen die Reperaturkosten.
Selbst am Wochenende ruhten wir uns nicht aus. Am Freitagabend ging es mit den Leuten aus dem Hostel, mit denen wir uns inzwischen richtig gut verstehen, in die hier angesagte Bar, CruBar. Ihr werdet es kaum glauben, aber unseren einzigen freien Tag verbrachten wir mit einer 20Kilometer langen Wanderung zum Cape Kidnapper. Zu fuenfzehnt liefen wir circa 5Stunden am Strand entlang. Das letzte Stueck ging steil bergauf und raubte uns die letzten Kraefte. Oben angekommen, picknickten wir, bewunderten die schoene Aussicht und die riesige Toelpelkolonie.

In der darauffolgenden Woche war das Wetter besonders schoen, weswegen wir nach unserem Feierabend des oefteren an die wunderschoenen Straende, Ocean Beach und Waimarama Beach, fuhren.

Am Abend wird gross aufgekocht und danach noch beisammen gesessen. Dabei wird viel geschmarrt und gelacht.
Diese Woche erhielten wir unseren ersten Lohn, allerdings war die Gelduebergabe wieder eine Sache fuer sich. Waehrend alle anderen ihr Geld stinknormal auf das Konto ueberwiesen bekommen, mussten wir es uns persoenlich am Freitagabend um 9Uhr bei unserem Supervisor abholen. Sein Buero befindet sich in der Garage neben seinem Bungalow. Der Arbeitsbereich wird durch zwei von der Decke haengenden Perserteppichen vom Garagengeruempel getrennt. Mittendrin ist e
in grosser Schreibtisch mit jeder Menge Papierkram platziert, dahinter sitzt Gubi. Aussenrum stehen Plastikstuehle und abgwetzte Sessel, auf denen ausser uns drei Deutschen nur Afrikaner sassen, die ebenfalls ihren Lohn holen wollten. Sobald man draussen ein Auto oder Stimmen hoerte, konnte man eine deutliche Veraenderung in Gubis Gesichtsausdruck sehen. Schnell checkte er ab, wer es war. Der Reihe nach musste jede den Platz gegenueber von Gubi einnehmen und dann ging die Verhandlung ueber die Zahl der gemachten Baeume los. Daraufhin errechnete Gubi den jeweiligen Lohn, den er cash ausbezahlte. Dazu musste er aber erst kurz im Haus verschwinden, um dann mit einem prall gefuellten Plastikbeutel und einigen Hundertern in der Hosentasche zurueck zu kommen. Als die Afrikaner alle ihr Geld bekommen hatten, waren schliesslich wir an der Reihe. Bevor wir unser Geld bekamen, sollten wir zwei allerdings erst beim naechsten Supermarkt Bier fuer Gubi holen. Der Grund dafuer war, wie wir spaeter erfuhren, dass er selbst wegen Alkohol am Steuer seinen Fuehrerschein verloren hatte. So bekamen nun auch wir unser hart verdientes Geld abzueglich Steuern, ob wir die jemals wiedersehen steht in den Sternen. Bei Gubi bekommt man naemlich keinen Lohnzettel, mit dem man die Steuern zurueckfordern kann. Spricht man ihn darauf an, antwortet er nur “ya ya, tomorrow”...
Wir kamen uns wirklich vor wie in einem Mafiafilm. Franzi haette sogar auf ihr Geld verzichtet, wenn sie dafuer ihre Kamera auspacken haette koennen. Es war wirkli
ch ein unbeschreibliches Erlebnis.
Am Samstag drehte sich alles um den am Abend bevorstehenden Rave, der von einigen aus dem Hostel organisiert wurde.
Viele nahmen sogar eine mehrstuendige Autofahrt auf sich, um von 21Uhr bis 10Uhr durchzutanzen. Mit der Location glauben wir, gefunden zu haben, was Max fuer seine 33er Party sucht. Schon die Hinfahrt fuehrte einen durch eine Gegend abseits jeglicher Zivilisation. Die Feier fand mitten in einem Naturreservat (neuseelaendische Landschaft!) in einer Lichtung auf einem Berg statt. Niemand fuhr heim, wenn geschlafen wurde, dann in vans oder zelten. Auch wir naechtigten 3 Stunden auf Fahrer- und Beifahrersitz im Van von Freunden aus dem Hostel --> sau unbequem.
Am naechsten Tag trudelten allmaehlich alle wieder im Hostel ein. Entweder wurde bei
einem Filmchen vor dem Fernseher gechillt oder im Bett gepennt. Unsere Lieben (Jonas, Jan, Martin) erfuellten uns den Wunsch, endlich ein Radio in den guten Mitsubishi einzubauen. Nach etwa 3stuendigem Hin und Her merkten wir, dass wir ueberhaupt keine Boxen besitzen. Also wurden die billigsten bei “Supercheap Auto” gekauft und eingebaut. Als kleines Dankeschoen dafuer bekochten wir die Jungs.

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